Wörter ~ woorden

Unser Haus wird täglich erfüllt von fröhlichem Plappern. Melina redet mit uns, mit ihrem Spielzeug, selbst mit ‘oben’ und ‘unten’ (Hallo Oben! Hallo unten!). Seit vorgestern verstummt sie spontan, wenn sie jemandem gegenübersetzt, den sie noch nicht kennt. Nach ca. 15 Minuten werden wieder erste Wörter geflüstert, und bald danach plaudert sie wie gewohnt. Auf Deutsch und Niederländisch, je nach Wort, Adressat und Laune.

Es gibt Wörter, die kommen immer zuerst auf Holländisch aus ihrem Mund spaziert, auch wenn ich mit ihr rede. Zum Beispiel ‘kip’ (Huhn), ‘kikker’ (Frosch) und ‘klimmen’ (klettern). Andersrum gibt es das auch, zum Beispiel bei ‘hause’ (Zuhause) oder ‘pieplatz’ (Spielplatz). Meistens mischt sie beide Sprachen – schaut aber kurz erstaunt auf, wenn z.B. die holländische Oma Liesbeth etwas auf Deutsch sagt. Irgendwelche Sprachantennen schlagen dann wahrscheinlich aus.

Ihre Sätze insgesamt sind laut Juriaan eher deutsch und klingen gerade ungefähr so:

- ‘Milla ook Schuhe anziegen!’ (Melina auch Schuhe anziehen)

- ‘Hier alt Hause nee, neeeuw Hause!’ (Hier ist nicht das alte Zuhause, sondern das neue.)

- ‘Yugi nee Gaff – Milla!’ (Wehe, Yuri kommt auch nur in die Nähe MEINER Giraffe!)

- ‘Judith oben unten sagen’. (Judith hat ihr bei ihrem Besuch sehr plastisch den Unterschied zwischen oben und unten gezeigt.)

- ‘Seina Schenk geven Milla’ (Reina, eine Freundin, hat Melina ein Geschenk gegeben. Und ja, das ‘r’ ist deutlich eine Aussprachehürde!)

Erste kleine Geschichten erzählt sie auch schon. ‘Mamma Hand aua. Mamma Keem kaufen. Milla Küssen geven.’ (Ich habe seit gestern Schmerzen in der Hand und trage einen Verband. Wir haben zusammen eine schmerzlindernde Creme gekauft, und Melina hat mir ein Küsschen auf das ‘Aua’ gegeben. Macht sie von sich aus, weil ich das bei ihr auch tue.)

Nachsprechen steht hoch im Kurs, von ‘chipkaart’ und ‘Elandstraat’ beim Tramfahren über ‘Nackedei’ beim Vorlesen eines altmodischen Kinderbuchs bis zu ‘Notenkoning’ (‘Nusskönig, ein schönes Geschäft im Zentrum Den Haags, wo sie ihre allerersten Rosinen geschenkt bekam).

Ab und zu schleicht sich alte und neue Familiensprache ein. So gibt es zum Beispiel den ‘Larsvogel’ (einen Stoffspecht, den Lars ihr aus den USA mitgebracht hat), Decken sind oft ‘Deckis’ (irgendwie gibt es in meiner Familie die Tendenz, Dinge durch ein ‘-i’ am Ende freundlicher werden zu lassen!) und Giraffen sind immer und überall ‘Gaffs’. Will Melina irgendwo durch, ruft sie meistens ‘Taxi durch’! – wegen ihrer Lieblingsgeschichte, dem gelben Taxi (The yellow cab – siehe ihren Pyjama auf den Fotos oben). Und ja, wir rufen das oft auch… obwohl wir dann doch wieder brav sind und die Welt zusätzlich richtig benennen.

Am meisten beeindruckt bisher hat uns ihre Angst vor dem Schriftzug ‘plop’ (aus einem Kinderbuch). Wenn sie den bis vor kurzem nur geschrieben sah oder wir nach ‘plop’ fragten, schüttelte sie entsetzt den Kopf und sagte ‘Neeee! Plop weg!’ Um sie zu beruhigen, erzählte ich ihr, dass plop in Italien sei. Inzwischen wohnt er übrigens in Brasilien und ist nicht mehr gefährlich.

 

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