Die erste Frage ~ de eerste vraag

Heute stellte mir Melina die allererste Frage.

Sie brachte ihr Dschungelpuzzle und fragte: ‘Wo ist Fant?’ (Ele-).

Nach fünf Minuten kam sie wieder angelaufen mit dem Elefant in der Hand: ‘Funden!’ (Ge-)

2!

Liebes Melinchen,

herzlichen Glückwunsch zu Deinem zweiten Geburtstag!

Jetzt bist Du offiziell ein ‘peuter’ (ein Kind zwischen 2 und 4), und wir lieben Dich so heiß und innig wie eh und je.

Jeden Tag hältst Du neue Späße für uns bereit: Du putzt dem tibetanischen Schneelöwen die Zähne mit Deiner kleinen orangen Zahnbürste, singst laut und schräg Wörter mit beim Einschlaf(!)lied (Schaaa-aaf! Kinder! lapen!) oder fährst mit Deinem bunten Laufrad nach ‘Büssel’ (Brüssel) und verabschiedest Dich küsschenreich, um am Ende der Küche schnell wieder umzudrehen und zurückzukommen.

Heute früh sagte ich Dir, dass Du schon so groß bist. Du schütteltest den Kopf und meintest: ‘Nee groß. Jarig!’ (jarig zijn = Geburtstag haben)

Auf ein neues Jahr mit Spiel, Spaß, Liebe und Quatsch mit Soße, Süße!

P.S.: Vielen Dank für Eure schönen Karten, Gwyn und Oma Martje &  Opa Juriaan – sie wurden zufrieden lächelnd studiert!

Wörter ~ woorden

Unser Haus wird täglich erfüllt von fröhlichem Plappern. Melina redet mit uns, mit ihrem Spielzeug, selbst mit ‘oben’ und ‘unten’ (Hallo Oben! Hallo unten!). Seit vorgestern verstummt sie spontan, wenn sie jemandem gegenübersetzt, den sie noch nicht kennt. Nach ca. 15 Minuten werden wieder erste Wörter geflüstert, und bald danach plaudert sie wie gewohnt. Auf Deutsch und Niederländisch, je nach Wort, Adressat und Laune.

Es gibt Wörter, die kommen immer zuerst auf Holländisch aus ihrem Mund spaziert, auch wenn ich mit ihr rede. Zum Beispiel ‘kip’ (Huhn), ‘kikker’ (Frosch) und ‘klimmen’ (klettern). Andersrum gibt es das auch, zum Beispiel bei ‘hause’ (Zuhause) oder ‘pieplatz’ (Spielplatz). Meistens mischt sie beide Sprachen – schaut aber kurz erstaunt auf, wenn z.B. die holländische Oma Liesbeth etwas auf Deutsch sagt. Irgendwelche Sprachantennen schlagen dann wahrscheinlich aus.

Ihre Sätze insgesamt sind laut Juriaan eher deutsch und klingen gerade ungefähr so:

- ‘Milla ook Schuhe anziegen!’ (Melina auch Schuhe anziehen)

- ‘Hier alt Hause nee, neeeuw Hause!’ (Hier ist nicht das alte Zuhause, sondern das neue.)

- ‘Yugi nee Gaff – Milla!’ (Wehe, Yuri kommt auch nur in die Nähe MEINER Giraffe!)

- ‘Judith oben unten sagen’. (Judith hat ihr bei ihrem Besuch sehr plastisch den Unterschied zwischen oben und unten gezeigt.)

- ‘Seina Schenk geven Milla’ (Reina, eine Freundin, hat Melina ein Geschenk gegeben. Und ja, das ‘r’ ist deutlich eine Aussprachehürde!)

Erste kleine Geschichten erzählt sie auch schon. ‘Mamma Hand aua. Mamma Keem kaufen. Milla Küssen geven.’ (Ich habe seit gestern Schmerzen in der Hand und trage einen Verband. Wir haben zusammen eine schmerzlindernde Creme gekauft, und Melina hat mir ein Küsschen auf das ‘Aua’ gegeben. Macht sie von sich aus, weil ich das bei ihr auch tue.)

Nachsprechen steht hoch im Kurs, von ‘chipkaart’ und ‘Elandstraat’ beim Tramfahren über ‘Nackedei’ beim Vorlesen eines altmodischen Kinderbuchs bis zu ‘Notenkoning’ (‘Nusskönig, ein schönes Geschäft im Zentrum Den Haags, wo sie ihre allerersten Rosinen geschenkt bekam).

Ab und zu schleicht sich alte und neue Familiensprache ein. So gibt es zum Beispiel den ‘Larsvogel’ (einen Stoffspecht, den Lars ihr aus den USA mitgebracht hat), Decken sind oft ‘Deckis’ (irgendwie gibt es in meiner Familie die Tendenz, Dinge durch ein ‘-i’ am Ende freundlicher werden zu lassen!) und Giraffen sind immer und überall ‘Gaffs’. Will Melina irgendwo durch, ruft sie meistens ‘Taxi durch’! – wegen ihrer Lieblingsgeschichte, dem gelben Taxi (The yellow cab – siehe ihren Pyjama auf den Fotos oben). Und ja, wir rufen das oft auch… obwohl wir dann doch wieder brav sind und die Welt zusätzlich richtig benennen.

Am meisten beeindruckt bisher hat uns ihre Angst vor dem Schriftzug ‘plop’ (aus einem Kinderbuch). Wenn sie den bis vor kurzem nur geschrieben sah oder wir nach ‘plop’ fragten, schüttelte sie entsetzt den Kopf und sagte ‘Neeee! Plop weg!’ Um sie zu beruhigen, erzählte ich ihr, dass plop in Italien sei. Inzwischen wohnt er übrigens in Brasilien und ist nicht mehr gefährlich.

 

Schiller (und Goethe) ~ Schiller (en Goethe)

Es ist Januar, und draussen vor der Tür versammeln sich von Melina sehr geschätzte Baggerungetüme, die uns die nächsten Wochen begleiten werden. Die Kanalrohre werden ersetzt, und wie schon beim Einzug – vor zwei Monaten wurden im Viertel neue Gasleitungen gelegt – bedeutet das freundliches Wiedererkennen zwischen Männern in orangenen Jacken und uns, die wir dann auf Holzplanken in den Bauch unserer Wohnung flüchten werden.

Dort geht es zwischendurch sehr häuslich zu. Sephardische Hühner werden gekocht, amerikanische Nasenwärmer ausprobiert und ganz selten darf Melina sogar eine Folge von einem unserer Kindheitshelden, dem kleinen Maulwurf (krtek) sehen.

Yuri versteht die Katzenklappentechnik noch nicht, will aber trotzdem alle fünf Minuten raus in den Garten, der noch im fremden Winterschlaf steckt.

Gestern habe ich entdeckt, wie Melinas Kochneugier wenigstens kurz befriedigt werden kann (zien! gucken!!). Und heute durfte sie dabei an allen Gewürzen riechen und ich erfreute mich an ihrem erstaunten Gesicht.

Wir haben auch zwei neue Hausfreunde: Goethe und Schiller. Nachdem ich dem Töchterlein vor Weihnachten aus Spaß von den zwei schreibenden Freunden erzählt habe, sucht und erkennt sie sie überall. In Kisten, in Büchern, auf Postkarten. Seit kurzem auch als freundlich hüpfende Salz- und Pfefferstreuer, die vor dem Schlafengehen in ihrer Schachtel von Melina ein Küsschen bekommen.

Und jetzt, liebe Leser, kommt endlich der Bogen zum eigentlichen Thema (der Winter bindet umständliche Schleifen in meine Gedanken):

Melinchen vor ca. anderthalb Jahren

Möchte Melina ihren Schnuller, ruft sie entweder ‘peen’ (von nld. ‘speen’) oder ‘Schiller’ (!). Seit langer Zeit gibt es das Objekt ihrer Begierde nur noch zum Schlafen. Da sich allerdings in unseren Köpfen der Moment des 2. Geburtstag als ein guter für den Beginn der schnullerlosen Zeit eingraviert hat, schläft das tapfere Melinchen seit zwei Tagen ohne. Cold Turkey, aber begleitet von dem Klassiker „Du bist ja schon ein großes Mädchen, und Schnuller sind für Babies!“ Einmal versuchte sie sich ihn erfolglos mit dem Argument „Melina müde Baby“ zu erschleichen, aber insgesamt hat sie den Zustand klaglos akzeptiert und schläft auch so brav ein. Zärtlich bemerken wir ab und zu noch Phantomschnullerbewegungen in ihrem Schlaf. Nach dem Aufwachen strahlt sie stolz, wenn wir Stolzen sie loben.

Ein weiterer Schritt ist die Verkürzung des Abendrituals. Seit diesem jungen Jahr gibt es zwar noch das Vorlesen, Singen und dazu Tagesrückblick und -vorschau, aber nicht mehr das Sitzen an ihrem Bett, bis sie eingeschlafen ist. Sie vertraut darauf, dass wir noch zwei-, dreimal nach ihr sehen und ihr etwas Nettes zuflüstern oder übers Haar streicheln. Dann schläft sie meist schon.

Sie wird wirklich ein großes Mädchen, unsere Melina!

Und dieser Winter ist besonders gemütlich mit ihr, die fröhlich singt, malt, baut, schnullerlos schläft und genauso gern Bagger wie kochende Eltern beobachtet und nachmacht.

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2011/2012

Euch allen ein wunderbares 2012!

Hier wurde in der neuen Wohnung gemütlich mit zwei (N)Onkeln gefeiert, Lars und Pe. Dazu dem verschreckten Kater Yuri, der Silvester ab 9.30h unter dem Gästebett verschwand. Es gab Appelflappen (oder -bollen oder -beignets?!), ‘Dinner for One’ (Melinas erstes Mal!), Feuerzangenbowle, Zucchinipasta und unendlich viele Oliebollen (da machte sich meine Nichtkindheit in den Niederlanden bemerkbar, mehr als drei habe ich über zwei Tage hinweg nicht geschafft!).

Im Viertel wurde wild geknallt, tagsüber begleitet von unbändigem Gekicher 8jähriger. Bis auf die gefühlten 100 Chinaböller direkt vor dem Schlafzimmerfenster war es ok. Zugegeben, von 0h bis 1h lief ich immer mal wieder aufgescheucht zwischen dem schlafendem Mädchen und dem unsichtbaren Gästebettyuri hin und her. Man weiß ja nie! Melina wurde um 1h wach und durfte dann zufrieden in unserem Bett schlafen, und Yuri war am 1.1. schon wieder ganz der alte.

Neujahr machten wir mit Pe einen kleinen Spaziergang am Meer, und als ich wegen des starken Windes und der kleinen Sandböen zum Töchterchen sagte, dass der Sand beinahe laufe, antwortete sie kopfschüttelnd: „Sand Beine neeeee!“ Soviel zum Thema unbestechliche Logik.

Wir freuen uns auf ein neues Jahr mit viel Melina!

P.S.: Auf dem Bild unten grüsst unser neuer Mitbewohner, der tibetanische Schneelöwe, der mit uns in die neue Wohnung gezogen ist.

Blick aus Melinas Zimmer

© Onkel Pe

Frohe Weihnachten! ~ Prettige Kerstdagen!

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Liebe Alle,

frohe Weihnachten wünschen wir! Wir sind gut bei Gammi, Gappo und Onkel Pe in Apelern angekommen, gerade scheint sogar kurz die Sonne und Melina tobt aufgeregt in ihrem Lieblingstaxipyjama im Weihnachtszimmer herum. Kurz: Es ist gemütlich!

Viele Küsschen / dikke kusjes und bis bald wieder!

Melina & Beatrice

Oben sind Melina und ihre kleine Schwester Beatrice zu sehen – meine Großtante und meine Großmutter mütterlicherseits.

Als ich Melina vorgestern in den Dünen spielen sah, fiel mir plötzlich dieses Bild ein…

Bereit? – klaar?

Die letzte Nacht im alten Zimmer. Melina schreckt manchmal auf im Schlaf, als ob sie etwas ahnt.

Es fühlt sich seltsam an, ihr ihr erstes Zuhause ohne ihr echtes Wissen „wegzunehmen“. Morgen wird ihr Zimmer, die letzte Insel, eingepackt. Sie logiert bei ihrer Oma Liesbeth und wohnt ab Freitag kurzzeitig am Meer. Vor lauter Organisieren kommen wir kaum zum Innehalten – nur in solchen nächtlichen Momenten wie diesem.

Am besten traben wir jetzt nach der Devise „Augen zu und durch“ vorwärts, blinzeln ab und zu eine Abschiedsträne weg und atmen dann frische Seeluft, bevor wir unsere neue Station zum Zuhause machen. Dort wird es für Melinchen dann ja nicht nur ein vorläufig identisch eingerichtetes Zimmer, sondern auch ein Gärtchen geben. Wir werden die Jahreszeit ignorieren und gutgelaunt auf einem kleinen Bänkchen draußen sitzen, ha!

 

P.S.: Eine schöne Auszeit – die Ruhe vor dem Sturm – gab es noch in Apelern, wo wir den Herbst und die Familie feierten und Melina rote Wangen vom Wind bekam. Fotos liefere ich nach, sobald der Kistenturm es zulässt!

Transit

Salve! Wir sind zurück aus Italien und leben erkältet, aber fröhlich zwischen sich stapelnden Kisten.

Es war schön, natürlich war es das. Eine sich fortsetzende Kette von Erinnerungen, Pinienzapfen gemischt mit dem Duft von Oleander und dem Geschmack von Amarenaeis. Das Glitzern der Sonne auf dem Mittelmeer. Als ehemaliges kleines Mädchen konnte ich einem anderen kleinen Mädchen Italien und damit ein wichtiges Stück meiner eigenen Kindheit zeigen. Und unsere “‘a bionda“ machte selbstverständlich Furore!

Gern schriebe ich mehr – doch weitere Kisten warten darauf, gepackt zu werden.

Ich wollte Euch ehrenwerte Leser nur grüßen und darüber informieren, dass die Transitzeit beginnt. Copernicus wartet auf uns, mit seinem elektrischen Herd und dem kleinen Gärtchen. Nach ein paar Zwischenstationen wird er uns in seine Arme schließen. Das Internet wandert mit, also gibt es Chancen auf kleine Einträge.

Auf bald!

Meer! ~ Zee!

 Tausche Nordsee kurzfristig mit Mittelmeer! A presto!

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